Fotografie hält Zugehörigkeit nicht nur fest, sie kann sie ebenso erzeugen, bekräftigen oder infrage stellen. Sie macht sichtbar, dass man Teil von etwas Größerem ist und dient zugleich der Abgrenzung: Wer schafft es in den Bildausschnitt, wer bleibt außen vor? Gerade deshalb braucht sie Bilder, um verbindlich zu werden.
Die Ausstellung beleuchtet dieses spannungsreiche Verhältnis in neun thematischen Kapiteln. Angewandte und künstlerische Fotografie treten dabei bewusst in einen Dialog. Ausgehend von der Sammlung des Kunstpalastes und ergänzt durch wichtige Leihgaben zeigt die 270 Werke umfassende Schau erstmals, wie sich Formen des Zusammenlebens und Formen bildlicher Darstellung wechselseitig beeinflussen. Der Bogen spannt sich von Gruppenporträts des 19. Jahrhunderts bis zu digitalen Bildwelten der Gegenwart. Die Ausstellung, die vom 11. Februar bis 25. Mai 2026 im Kunstpalast zu sehen sein wird, beleuchtet das facettenreiche Verhältnis von Fotografie und Gemeinschaft in Geschichte und Gegenwart.
Kaum ein fotografisches Genre eignet sich besser, um Zugehörigkeit zu demonstrieren, als das Gruppenbild. Von der streng komponierten Studioaufnahme des 19. Jahrhunderts bis zum spontanen Group Selfie unterwegs stellen Menschen sich gemeinsam für die Kamera auf. Sie rücken zusammen, ordnen ihre Körper, finden eine Position im Bild. Das gemeinsame Posieren ist ein Ritual, das Verbundenheit ausdrückt. Besonders dann, wenn Fotografien ihren Weg in Alben finden, werden sie zum Anlass, Gemeinschaft zu erzählen, zu erinnern und lebendig zu halten. Historische und zeitgenössische Gruppenporträts belegen: Gemeinschaftliche Fotos spiegeln Beziehungsgefüge nicht nur, sie tragen auch dazu bei, sie zu formen.